Das etwas andere Lebkuchen-Projekt – eine essbare Nähmaschine

„Weihnachtszeit ist Lebkuchenzeit und in vielen Küchen duftet es bereits herrlich nach Gewürzen. Wir rufen alle Zuckerbäcker auf, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und um die Wette zu backen“ – hieß es vor kurzem in einer an mich adressierten Mail. Im Auftrag von Otto wurde ich kontaktiert, ob ich nicht Interesse daran hätte an einem ‚Lebkuchen-Projekt‘ teilzunehmen. 
Da musste ich natürlich nicht lange überlegen, denn was gibt es schöneres als Essen und Basteln zu verbinden & einmal wieder kreativ zu werden.

Genaue Vorgaben gab es bei diesem Projekt eigentlich nur eine: das gebaute Stück muss aus Lebkuchen bestehen.
Natürlich fing ich gleich fleißig an zu überlegen, was ich Kreatives zu diesem Wettbewerb beisteuern könnte. 
Lebkuchenhäusschen gibt es ja schon in Hülle und Fülle, also wollte ich mal gegen den Strom schwimmen und etwas ausgefalleneres aus Lebkuchen konstruieren. 
Im Internet habe ich mich dazu zunächst Mal mit dem Thema beschäftigt, mir ein paar ‚How to make a gingerbread house‘-Videos angeschaut und nach passenden Lebkuchenrezepten geforscht.
Den Lebkuchen habe ich tatsächlich noch nie zuvor selbst gebacken, geschweige denn etwas daraus gebaut. Nur selbst vernascht wurde bis jetzt 😀
Was es werden sollte stand dann relativ schnell fest – natürlich etwas, was zu mir und auch zu meinem Blog passt, meine Interessen wiederspiegelt & auch hoffentlich umsetzbar ist..
Trommelwirbel bitte – es ist eine Lebkuchen-Nähmaschine geworden.
Denn das Nähen zählt neben dem Backen zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen (tatsächlich eins der Dinge, die ich hier in London am Meisten vermisse).

Ganz aufgeregt und überzeugt von meinem tollen Einfall wurde dann noch in der gleichen Nacht mein Bruder kontaktiert, der mir mit der Planung helfen sollte. So ein Maschinenbauspezialist sollte doch ein bisschen Ahnung vom Konstruieren haben & backen kann er auch (er backt mit Abstand die beste Schwarzwälderkirschtorte), also brauchte ich ein paar Ideen wie ich meinen Plan in die Tat umsetzen kann & was ich beim Zusammensetzen beachten sollte..
Ich gehe nämlich gerne mal blauäugig an die Sache ran, ohne mir vorher groß Gedanken darüber zu machen, aber diesmal sollte alles stimmen. 
Jaja, so ein paar ‚technische‘ Vorüberlegungen können bei einem so ungeduldigen Menschen wie mir schließlich nicht schaden, damit auch später nichts schief läuft 😀
Leider hat mir mein Bruder schnell die Augen geöffnet, dass meine Lebkuchen-Nähmaschine eher schwierig umsetzbar ist und es sicher nicht in einem Tag fertig wird.
Aber dadurch lass ich mich natürlich nicht von meinem Plan abbringen, wenn ich es nicht versuche kann ich ja auch nicht wissen, ob es wirklich nichts wird, nicht wahr?
Um mich mit der Materie Lebkuchen vertraut zu machen, wurden dann zunächst alle benötigten Zutaten für den Teig eingekauft und auch drauf losgebacken. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, soll das auch schnellstmöglichst in die Tat umgesetzt werden, also blieb keine lange Verschnaufpause – das gute Stück soll ja schließlich noch vor Weihnachten fertig werden. 
Das passende Rezept habe ich hier gefunden. Der Lebkuchenteig schmeckt super lecker, ist leicht zu machen & wirklich empfehlenswert. Würde ich auch fürs nächste Mal wieder verwenden.
So lange der Teig im Kühlschrank ruht, ging es dann auch schon ans Zeichnen meiner Schablonen & ans Überlegen, wie viele Teile ich wovon in welcher Größe benötige, damit später auch alles passt. Noch schnell auf Pappe übertragen, damit alles etwas stabiler ist & schon ging es ans Teig ausrollen, zuschneiden, backen, weiter ausrollen, zuschneiden, backen … Dabei hat die gesamte Wohnung herrlichst nach leckeren Gewürzen geduftet und ich musste mich sehr zusammenreißen, nicht jetzt schon am Lebkuchen zu knabbern.
In den folgenden Tagen wurden dann die einzelnen Teile zusammen gesetzt. Das hat doch länger gedauert als von mir erwartet & zwischenzeitig wollte ich schon fast das Handtuch werfen, weil ich wieder zu ungeduldig war. Aber mit der Zeit habe ich tatsächlich auch immer mehr Gefallen gefunden & je mehr meine Lebkuchen-Nähmaschine verziert wurde, desto zufriedener war ich.

 

Als ich Samstag Abend in den letzten Zügen des Dekorierens war und kleine Zuckerherzchen in mühseliger Kleinarbeit mit Zuckerguß bestrichen und aufgeklebt hatte, erschien plötzlich eine neue Mail in meinem Postfach – ‚Das Lebkuchen-Projekt muss leider abgesagt werden‘.
Hach, könnt ihr euch vorstellen wie enttäuscht ich anfangs war? So viele Stunden Arbeit habe ich in mein kleines Lebkuchengebastel gesteckt, dass ich zunächst erstmal echt platt war.. Da hab ich mir so viel Mühe gegeben noch pünktlich vor Weihnachten und meinem Abflug nach Deutschland alles fertig zu bekommen, das alles für kurze Zeit einfach nur doof war (viele von euch kennen sicher solche Momente).
Mit der Zeit habe ich dann aber auch eingesehen, dass ich trotzdem viel aus diesem ‚Projekt‘ mitgenommen habe. Ehrlich gesagt hatte ich eh vor Lebkuchen zu backen (vielleicht nicht unbedingt am Anfang eine Nähmaschine, aber hey, wie cool ist denn bitte eine essbare Nähmaschine aus Lebkuchen, hat nicht jeder daheim).
Außerdem hab ich mit eins zwei Ausnahmen zwischendurch einen riesen Spaß bei meiner Backerei & habe trotz großer Zweifel meines Bruders, dass das ganze eher schwer umsetzbar ist, meine Idee verwirklicht.
Mein Fazit an dieser Stelle „Aus jeder Situation wird man um eine Erfahrung reifer & muss aus allem etwas Positives sehen“.
Hach, da werd ich ja gleich philosophisch..
Aber nun Schluss damit. Ich freu mich trotzdem riesig & solange der Lebkuchen noch nicht schimmelt, bin ich stolze Besitzerin einer essbaren Nähmaschine (kann ja auch nicht jeder von sich behaupten) – es ist nämlich alles daran verzehrbar. Von der Bodenplatte aus Lebkuchen, der Spule mit blauem Garn aus Zuckerschrift, leckeren Zimtsternen von meinem letzten Post, bunten Zuckerperlen und süßen Minimarshmallows..
Und da wir uns im Winter doch auch alle ein wenig Schnee wünschen, wurde noch ein bisschen Puderzucker über das Werk gestreut.
 
Ich will sie ehrlich gesagt garnicht wieder vernaschen, wäre doch viel zu schade, oder?!
Noch mehr kreative Ideen gibts heute hier. 
Habt ihr dieses Jahr schon ein Lebkuchenhäusschen oder vielleicht auch etwas anderes aus Lebkuchen gebaut?
Ich bin gespannt auf eure Antworten.

17 Kommentare

  1. Das ist ja wirklich mal ein ganz anderes Häuschen. Deine Nähmaschine ist super geworden, was für ein Einfall. Ich werde die Kinder aber bestimmt nicht zum Experimentieren bewegen, wir werden gleich ganz schnöde ein Häuschen backen. Fröhliche Weihnachten, Mila

  2. Ich habe ja immer gedacht, meine neue Nähmaschine sei ein Traumteilchen. Wie ich aber sehen muss, hast Du auch eins…;-)
    Als Kind (vor ca. 30 Jahren) habe ich mein erstes und letztes Lebkuchenhaus gebacken, habe nämlich meine Nase zu tief in die Tüte Hirschhornsalz gesteckt… aua….!
    LG Nikola

  3. Glückwunsch und Hut ab vor der unerschrockenen Konstrukteurin !!!
    Ein tolles Projekt mit einem Superergebnis–da möchte man gleich losnähen—& vielleicht ein Marzipanpatchworkdeckchen unter der Nadel legen.

    Schöne Weihnachtszeit und schönen Gruss
    Hala

  4. Uihuihuih! Das ist mit Abstand der kreativste Lebkuchenbau, den ich seit langem gesehen habe 🙂 Sehr, sehr hübsch das Maschinchen!

    Meine Hochachtung für die architektonische Meisterleistung 😉

    Zauberhafte Weihnachten dir!
    Viele Grüße,
    Bine.

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